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64 Jahre alten Mann aus homophoben Motiven heraus getötet - Anklage gegen 16-Jährigen wegen Mordes

Datum: 30.08.2017

Kurzbeschreibung: 

64 Jahre alten Mann aus homophoben Motiven heraus getötet - Anklage gegen 16-Jährigen wegen Mordes

Ulm.

Gegen einen jetzt 16 Jahre alten Jugendlichen hat die Ulmer Staatsanwaltschaft Anklage zur Großen Jugendkammer des Landgerichts Ulm wegen des Vorwurfs des Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge sowie wegen versuchten Mordes in zwei Fällen, davon in einem Fall mit schwerer Brandstiftung erhoben.

Bereits in der Nacht des 21. Mai dieses Jahres legte der geständige Angeschuldigte in einem Wohnhaus in Beimerstetten ein Feuer, um sich bei einem Hausbewohner für eine Strafanzeige gegen seine Person zu rächen. Glücklicherweise griff das Feuer aber nicht auf Gebäudeteile über und konnte durch einen der sechs anwesenden Hausbewohner gelöscht werden, ohne dass ein nennenswerter Schaden entstanden war.

Zwei Tage später am 23. Mai 2017 traf der Angeschuldigte - was er auch einräumt - im Bereich der Schillerstraße in Ulm auf sein späteres Opfer - einen 64 Jahre alten Mann, welchen der damals noch 15-Jährige um etwas zu trinken, zu rauchen und um einen Schlafplatz gebeten haben soll. In der Wohnung des 64-Jährigen in einem Mehrparteienhaus in der Schillerstraße in Ulm angekommen soll dieser den Jugendlichen einmalig und ohne jeglichen Nachdruck aufgefordert haben, ihm ins Schlafzimmer zu folgen, um dort geschlechtlich miteinander zu verkehren. Aufgrund seiner Abneigung gegenüber Homosexuellen und zudem davon geleitet, sich später am Eigentum seines Opfers zu bereichern, habe der junge Mann aus der Küche ein Messer geholt, sich ins Schlafzimmer begeben und dort auf sein argloses Opfer eingestochen. Als das Messer abgebrochen sei, habe er weiter auf sein Opfer gewaltsam eingewirkt, zwei weitere Messer geholt und auf den 64-Jährigen eingestochen, bis dieser aufgrund des enormen Blutverlusts an Ort und Stelle verstarb. Danach habe sich der Angeschuldigte gereinigt, die Wohnung nach Stehlenswertem durchsucht und neben etwas Bargeld eine Digitalkamera mitgenommen. Um seine Tatspuren zu vernichten, soll er in der Folge das Sofa und diverse Kleidungsstücke seines Opfers, die er zu einem Stapel zusammengehäuft habe, angezündet und die Wohnung und das Gebäude, in welchem sich zu diesem Zeitpunkt mindestens sechs weitere Bewohner aufhielten, verlassen haben. Die hinzugerufene Feuerwehr konnte jedoch verhindern, dass sich das Feuer bzw. die Rauchgase auf das übrige Wohngebäude ausbreiteten und andere Personen zu Schaden kamen.

Die Anklagebehörde geht aufgrund ihrer Ermittlungen, insbesondere aufgrund der Einlassung des Angeschuldigten davon aus, dass ihn bei der Tat seine generelle Abneigung und Verachtung von Homosexuellen geleitet haben dürfte, was als niedriger Beweggrund gewertet wird. Ihm werden zudem die Mordmerkmale der Heimtücke, und der Ermöglichungsabsicht zur Last gelegt.

Um seine Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt besser beurteilen zu können, hat die Staatsanwaltschaft ein psychiatrischen Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben. Der weitgehend geständige Angeschuldigte befindet sich seit seiner Festnahme wenige Tage nach der zweiten ihm zur Last gelegten Tat in Untersuchungshaft.

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